So spielt es sich
Auf dem Tisch liegen 36 bunt lackierte Holzfiguren – Tiere, Personen, Gegenstände. Ein Erwachsener liest eine der beiliegenden Geschichten, Rätsel oder Gedichte vor. Fällt ein Begriff, zu dem es eine Figur gibt, greifen alle danach; wer zuerst zupackt, behält sie. Wird eine schon vergebene Figur erneut genannt, bekommt, wer es bemerkt, eine Holzscheibe. Wer am meisten sammelt, gewinnt. Drei Varianten reichen vom Spiel mit einem Kind bis zur Merkversion.
Was es fördern kann
Wer in der laufenden Geschichte ein Wort hört, zu dem es eine Figur gibt, muss es sofort dem Gegenstand zuordnen – gezieltes Zuhören und Wortverständnis im Tempo. Dann folgt visuelles Suchen: Wo liegt die Birne? Weil weitergelesen wird, während die Hand greift, ist geteilte Aufmerksamkeit gefragt. Rätsel verlangen das Erschließen aus Beschreibungen. In der Merkversion liegen nur zehn Figuren aus; gerufen wird nur, wenn eine Figur aus der Schachtel genannt wird – ein Fehlruf kostet eine Figur. Das fordert Gedächtnis und Impulskontrolle.
Besonders geeignet für
- Kinder ab 3, die gern Geschichten hören
- Erstes Regelspiel, auch mit nur einem Kind
- Wortschatzarbeit, auch bei mehrsprachigen Kindern
Weniger geeignet für
- Runden ohne Erwachsenen, der vorliest
- Familien ohne Lust aufs Geschichtenerfinden
Unser Fazit
Ratz-Fatz lohnt sich für Familien, die Kindern ab drei Jahren gern Geschichten vorlesen und sie behutsam an Regelspiele heranführen, notfalls mit einem einzigen Kind. Die Stärke: Holzfiguren, die sich leicht erkennen lassen, und Texte, die Zuhören, Wortschatz und schnelles Zugreifen verbinden. Grenzen setzen die wenigen beiliegenden Texte und der Bedarf an einer vorlesenden Person.
So gelingt der Einstieg
- Mit den Jüngsten klein anfangen: mit nur einem Kind spielen und weiterlesen, während es nach der Figur greift.
- Für Fortgeschrittene die Merkversion nehmen: Nur zehn Figuren liegen aus, gerufen wird bei Figuren aus der Schachtel.
- Sind die beiliegenden Texte durch, selbst erzählen oder erzählen lassen; Familien dürfen dabei auch in ihrer Sprache bleiben.
Im Detail
Varianten und Spielerzahl
Ratz-Fatz erschien laut Luding und Wikipedia 1997 bei Haba; laut Luding wurde es von Hajo Bücken und Edda Skibbe erdacht. Laut Luding sind es 1 bis 6 Personen, dazu 36 Spielfiguren und 10 Spielsteine; eine vorlesende Person ist nötig. Spielphase beschreibt bunt lackierte Holzfiguren (Gegenstände, Personen, Tiere), Holzscheiben als Spielsteine und zehn Geschichten, Rätsel und Gedichte, die ein Elternteil vorliest. Spielphase nennt drei Varianten: das Spiel mit nur einem Kind, bei dem weitergelesen wird, während das Kind greift; die Runde, in der mehrere Kinder gleichzeitig sammeln und einen Spielstein erhält, wer einen erneut genannten, schon vergebenen Begriff bemerkt; und eine Merkvariante mit zehn ausgelegten Figuren, bei der gerufen wird, wenn eine Figur aus der Schachtel genannt wird, und ein Fehlruf eine Figur kostet.
Was Rezensionen sagen
Spielphase hält Material und Geschichten für hervorragend gelungen. Die Rezension kritisiert die geringe Zahl der Geschichten, die allerdings bewusst gewollt scheint. Als Lernwert nennt sie unter anderem das Erraten durch Beschreibung und Reaktionstraining. Die Rezension von Költringer in den Salzburger Nachrichten (2002) lobt die Figuren. Dass es wenige Texte gibt, ist laut dieser Rezension als Aufforderung zum Selbsterfinden gemeint, und die Kinder sollen selbst erzählen.
Im Vergleich
Ratz-Fatz (ab 3, 1 bis 6 Personen, ca. 10 bis 30 Minuten) hat die Bereiche Sprache, Wahrnehmung und Tempo sowie Impulskontrolle. Die freche Sprech-Hexe (ab 4, 2 bis 4 Personen, ca. 15 bis 20 Minuten) setzt wie Ratz-Fatz auf Sprache und verlangt unter anderem Wortabruf. Die freche Sprech-Hexe ist laut Katalog weniger für Kinder ohne Deutschkenntnisse geeignet, weil die Reime nur auf Deutsch vorliegen; Ratz-Fatz nennt der Katalog dagegen auch für die Wortschatzarbeit bei mehrsprachigen Kindern. Tick Tack Bumm Junior (ab 5, 2 bis 12 Personen, ca. 30 Minuten) fordert wie Ratz-Fatz Sprache sowie Wahrnehmung und Tempo und verlangt Wortabruf, Wortschatz und Assoziation sowie Verarbeitungstempo.
Quellen
Häufige Fragen
Ab welchem Alter eignet sich Ratz-Fatz?
Ratz-Fatz ist ab 3 Jahren angegeben. Bereit ist ein Kind, das gern zuhört und Wörter den passenden Figuren zuordnen kann. Für die Jüngsten genügen zu Beginn wenige vorsortierte Figuren. Ohne vorlesende Person funktioniert das Spiel nicht.
Wie lange dauert eine Partie und wie viele können mitspielen?
Eine Partie dauert etwa 10 bis 30 Minuten, es spielen 1 bis 6 Personen. Möglich ist auch eine Runde mit nur einem Kind; mehrere Kinder sammeln gleichzeitig, und wer am Ende am meisten besitzt, gewinnt. Dazu liest immer jemand vor.
Was kann Ratz-Fatz fördern?
Ratz-Fatz kann Sprache, Wahrnehmung und Tempo sowie Impulskontrolle fördern. Fällt in der Geschichte ein Begriff, den eine Figur darstellt, muss er sofort zugeordnet und die Figur auf dem Tisch gefunden werden; in der Merkversion kostet ein Fehlruf eine Figur.
Sind genug Geschichten dabei?
Es liegen zehn Geschichten, Rätsel und Gedichte bei, nicht mehr. Rezensionen deuten das als gewollt: Bald sollen Eltern eigene Texte erfinden und Kinder selbst erzählen.



